Semesterspiegel: Wofür steht Internationaler Jugendverband?
Anna: International natürlich, weil wir versuchen immer alle Zusammenhänge zu verknüpfen, also was an unserer Uni passiert, was auf höheren Ebenen passiert und wie uns das konkret in unserem Alltag betrifft. Wir sind eine politische Organisation, die die Jugendbewegung voranbringen will. Wir sehen auch in der Geschichte, wie Jugend oder junge Menschen eine sehr besondere Bedeutung haben. Unser großes Ziel ist es, die Interessen der jungen Menschen weiterzubringen.
Semesterspiegel: Was ist der wichtigste Punkt in eurem Wahlprogramm?
Anna: Der wichtigste Punkt für uns ist, gegen die Kürzungen, die an der Uni stattfinden, zu kämpfen. Ich glaube dieses Jahr alleine haben wir ein Defizit von etwa 14 Millionen. Das betrifft ja auch alle Hochschulen in NRW. Uns ist wichtig, das auch im Zusammenhang mit der Militarisierung, die gerade in Deutschland stattfindet, zu sehen. Wie uns das als Studierende dann konkret betrifft, sieht man darin, dass Seminare wegfallen, dass Tutorien überfüllt sind, dass Räume nicht mehr von der Uni angemietet werden und dass in Jura die Repetitorien gekürzt werden. Wir merken die Kürzungen ganz akut in unserem Alltag.
Semesterspiegel: Und was kann eine Liste bei diesem Thema überhaupt bewegen?
Anna: Auch das ist eine Sache, die wir verändern wollen. Wir wollen den AStA nicht wie bisher als verwaltende Instanz nutzen. Wir wollen nicht einfach die Kürzungen, die uns von der Uni so gesagt wurden, durchreichen, verwalten und dann gucken, wie man Löcher stopfen kann. Wir wollen den AStA dafür einsetzen, dass sich die Universitäten in NRW gemeinsam gegen diese Kürzungen stark machen und die Uni sich klarer positioniert. Wir sehen als Studierendenvertretung, die ja für die Interessen der Studierenden eintreten muss. Dafür müssen wir die gesamte Studierendenschaft mobilisieren. Das ist bisher viel zu wenig passiert.
Semesterspiegel: Ihr wollt also Druck machen und die Studierenden motivieren, sich einzusetzen?
Anna: Ja, wir wollen die Studierendenschaft motivieren, sich darüber hinaus zu engagieren, einmal im Jahr ein Häkchen zu setzen. Zusätzlich wollen wir das ganze Jahr über mit ihnen im Gespräch bleiben. Von den Listen bekommt man bisher nur in der Wahlkampfwoche so richtig was mit. Wir wollen uns vornehmen auch mitten im Jahr Infostände zu machen. Wir haben den Willen, alle Studierenden ansprechen zu wollen und sie das ganze Jahr über gut zu vertreten.
Semesterspiegel: Hat es Vor- oder Nachteile nicht an eine Partei angelehnt zu sein?
Anna: Dadurch, dass wir eine parteiunabhängige Organisation sind, sind wir komplett selbstorganisiert, finanzieren uns selbst und haben auch mehr Möglichkeiten.
Semesterspiegel: Ihr habt in eurem Wahlprogramm stehen, dass ihr die Mensapreise senken wollt. Wie genau wollt ihr das erreichen?
Anna: Das reiht sich so ein bisschen in das ein, was ich schon gesagt habe. Die Mensapreise werden vom Studierendenwerk gemacht und wir fordern ein besser finanziertes Studierendenwerk. Es soll ja gerade billiges Essen und günstigen Wohnraum für Studierende bereitstellen. Wir sehen, wie viel Geld wir bekommen und wir wollen es nicht darauf reduzieren, zu gucken, wie wir das wenige Geld, das das Studierendenwerk zur Verfügung hat, verwalten. Das größte Ziel sollte nicht sein, Defizite, die wir haben, auf irgendwas anderes auszulagern. Wir wollen alles bezahlbar machen und das auch mit politischen Kämpfen verbinden. Konkreter bedeutet das, an das Land heranzutreten und da Druck auszuüben.
Semesterspiegel: Was wollt ihr gegen den zu teuren Wohnraum machen?
Anna: Man kann ein neues Wohnheim bauen, wofür das Studierendenwerk natürlich wieder Gelder braucht. Da könnte man vielleicht beim Vorkaufsrecht der Stadt ansetzen. Man kann dafür sorgen, dass die Grundflächen, auf denen studentische Wohnheime entstehen, eher an das Studierendenwerk verkauft werden, sodass man mehr öffentlichen Wohnraum zur Verfügung hat.
Semesterspiegel: Ihr sagt, dass eine Quote nicht das Problem lösen kann, dass es zu wenige FLINTA Personen in Professorenstellen gibt. Was sind dann eurer Meinung nach bessere Möglichkeiten?
Anna: Wir sind jetzt nicht per se gegen eine Quotierung. Wir lehnen die nicht ab. Das kann auf jeden Fall helfen. Natürlich hilft das dabei, dass mehr Frauen oder FLINTA Personen Professorenstellen bekommen. Wir sagen aber auch, dass das nicht die Ursache bekämpft, warum es überhaupt dazu kommt, dass so viele Professorenstellen von Männern belegt werden. Das hat viele Ursachen von Gender Pay Gap über Kinderbetreuung. Man muss sich als Frauen eher zwischen Kindern und Karriere entscheiden. Kinderbetreuung auch für Professoren zur Verfügung stellen und ein familienfreundliches Umfeld schaffen, das sich besser mit Familie vereinbaren lässt, wären Lösungsmöglichkeiten. Es gibt auch Mentoring-Programme für Frauen, die man fördern kann. Das bedeutet aber nicht, dass wir gegen eine Quotierung sind.
Semesterspiegel: Welche Rolle spielt für euch der AStA im Hinblick auf gesellschaftliche Debatten politische Themen? Macht ihr Unterschiede zwischen hochschulpolitischen und gesellschaftspolitischen Themen?
Anna: Wir glauben, dass es eine rein künstliche Trennung ist. Wie kann man Defizite an der Uni getrennt von Kürzungen und dem Sozialabbau in ganz Deutschland betrachten? Ein politischer AStA, der sich für die Studierendenschaft wirklich einsetzt, darf solche Themen nicht auslassen, weil er sonst die Realität der Studierenden und ihre Probleme leugnet.
Semesterspiegel: Hast du sonst noch irgendwas, was du sagen möchtest?
Anna: Ich würde nochmal auf ein paar Forderungen eingehen. Wir wollen ein bezahlbares Studium für alle, wir sind gegen die Militarisierung an der Uni und gegen die Abschaffung der Zivilklausel. Wir wollen nicht für Rüstung oder Kriege, die nicht in unserem Interesse sind, forschen. Wir wollen für einen politischen AStA und eine politische Studierendenschaft einstehen.
