Semesterspiegel: Was ist der wichtigste Punkt in eurem Wahlprogramm?
Luca: Der wichtigste Punkt ist das selbstbestimmte Studium – dass man in den Zeiträumen und Abständen studieren kann, wie man möchte. Das wollen wir durch das Vorlesungsstreaming erreichen. Jede Vorlesung soll gestreamt und aufgenommen werden, sodass man sich die im Nachhinein noch angucken kann. Genauso wollen wir Anwesenheitspflichten, die in bestimmten Modulen noch existieren, aus der Welt schaffen, damit jeder die Woche so planen kann, wie er es für richtig hält.
Semesterspiegel: Was gehört noch zu einem selbstbestimmten Studium?
Luca: Auch das Angebot von Fertigkeitskursen und Sprachkursen wollen wir ausbauen. Das sind wichtige Sachen, die man machen sollte, um Soft-Skills zu entwickeln. Wir haben das Gefühl, dass das Angebot noch nicht so groß ist und das Angebot, was existiert, aber von den Plätzen begrenzt ist. Ich glaube, wir alle wissen, wenn man sich 5 Minuten zu spät für Sprachkurse anmelden möchte, sind alle schon weg.
Semesterspiegel: Habt ihr weitere Missstände an der Uni entdeckt und passende Lösungsvorschläge?
Luca: Womit wir uns viel beschäftigt haben, ist, wie viel Geld in Sachen reinfließt, für die der AStA unserer Meinung nach nicht zuständig ist, wie zum Beispiel das Ausgeben politischer Leitlinien und das Weiterführen des politischen Diskurs. Wir sehen das auch im Zusammenhang mit den Semesterbeiträgen, die dementsprechend hoch sind. Wir sind dafür, dass das ein reiner Service AStA wird und dementsprechend das Geld, was da reinfließt, auch transparent nur für studierenden Zwecke genutzt wird.
Semesterspiegel: Wie kann man mit einem AStA Dinge bewirken, wenn er sich nicht politisch äußern kann?
Luca: Ich finde, das geht eigentlich relativ simpel. Ein großer Punkt ist die Frage nach der Wohnungslage und ob man mehr Wohnraum schaffen und dafür die Semesterbeiträge und so weiter erhöhen sollte. Ich finde, das ist eine Sache, da gibt es ein objektives Wohnungsproblem in Münster. Der AStA, als Stimme der Studierenden, sollte sich damit auseinandersetzen, diesen Wohnraum bestmöglich zu erweitern und Lösungswege zu finden. Eigentlich wollen wir ja alle dasselbe, nämlich dass die Situation besser wird. Man sollte sich darauf konzentrieren, ohne sich in kleineren Details zu verfangen. Die verlangsamen den ganzen Prozess nur und führen am Ende leider manchmal auch ins Leere.
Semesterspiegel: Wo zieht ihr die Grenze zwischen nicht-politischen und politischen Themen? Wie sieht das zum Beispiel mit dem Thema Klimawandel aus?
Luca: Wir sind der Auffassung, dass zu den Themen alles dazugehört, was das Studentenleben direkt betrifft. Das sind Wohnraum, die vorhin angesprochene Digitalisierung und die Angebote der Kurse. Es geht viel weniger um große Oberthemen, bei denen man die Linie ziehen sollte, sondern man kann diese Themen runterbrechen. Es geht ja nicht darum, dass in dem AStA Klimawandel diskutiert wird. Das ist natürlich ein großes politisches Oberthema, das selbstverständlich wichtig ist. Aber wenn man dann zu Unterthemen, wie das Essen in der Mensa kommt, dann muss man gewisse Grenzen ziehen. Es gibt schon einen gewissen Spielraum, in dem man über nachhaltiges Essen sprechen kann. Dann müssen Kompromisse gefunden werden, ohne das Thema politisch groß auffächern zu müssen.
Semesterspiegel: Ihr habt die Forderungen aufgestellt, das Semesterticket freiwillig zu machen. Wie kann man das umsetzen?
Luca: Das ist natürlich nicht einfach, gerade wenn man sagt, wir möchten an dem Solidarmodell arbeiten. Es kann sein, dass das Ticket für Studenten, die unbedingt eins brauchen, teurer wird. Jedoch sind wir ein großer Vertreter davon, dass Geld nicht fehlt, es ist einfach nur falsch verteilt. Deswegen kann man schauen, ob man durch andere Maßnahmen wie zum Beispiel der personellen Verkleinerung des AStA Geld einsparen kann. Das kann man dann wiederum einsetzen, um das Semesterticket für diejenigen, die es auch wirklich brauchen, bei einem stabilen Preis zu halten. Diejenigen, die es eben nicht brauchen, können die etwa 200 Euro pro Semester am Ende des Jahres dann für sich behalten und für andere Sachen ausgeben können.
Semesterspiegel: Thema Wahlbeteiligung und Interesse an Hochschulpolitik: Wo liegt das Problem und was sind Lösungsansätze?
Luca: Wenn man mit Freunden redet, die mit der Hochschulpolitik nichts zu tun haben, dann kommen oft die Fragen, was ist das StuPa eigentlich? Was macht das? Was ist der AStA? Wofür wähle ich überhaupt? Wir bemerken, bisher fehlt Werbung. Wir haben uns überlegt, dass in den Vorlesungen gesagt wird: Vergesst nicht zu wählen. Generell am Anfang des Semesters könnte man sich, genauso wie andere Studenteninitiativen, vorstellen. Dann gäbe es eine Vorstellung vom StuPa oder von Vertretern und die stellen vor, was wir sind, was wir machen, wann die Wahlen sind und warum es wichtig ist, zu wählen.

