“Man könnte den gesamten AStA vom Kopf auf die Füße stellen” –  Ein Interview mit Lukas vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten

Semesterspiegel:  Was sind die wichtigsten Punkte in eurem Wahlprogramm?

Lukas: Ich würde sagen, der wichtigste Punkt ist schon das Thema Antisemitismus, weil wir sehen, dass wir einerseits eine Politikfachschaft haben, andererseits auch eine Hochschulgruppe die sich antisemitisch äußern und betätigen. Wir als RCDS haben da eine sehr klare Position. Es ist absolut legitim, Kritik an der Politik der israelischen Regierung zu äußern. Das würde ich auch tun. Aber es ist was ganz anderes, das auf jüdische Menschen oder auf israelische Menschen auszuweiten. Deswegen sind wir da sehr klar und sagen, wer sich an der Uni antisemitisch betätigt, wer vielleicht sogar jüdische Studenten angreift, sodass sie sich unsicher fühlen, der muss auch sanktioniert werden. Es kann nicht sein, dass solche Gruppen oder auch Fachschaften öffentliche Mittel oder universitäre Räume bekommen. In Bezug auf Einzelpersonen müssen auch Sanktionen bis hin zur Exmatrikulation folgen. 

Semesterspiegel: Was sind darüber hinaus weitere Punkte in eurem Wahlprogramm?

Lukas: Ansonsten haben wir die Ausgabenpolitik des AStA, die wir sehr kritisch sehen. Es gab im letzten Jahr einen Haushalt von über 2,4 Millionen €. Das ist wahnsinnig viel für ein studentisches Gremium. Es gab Aufwandsentschädigungen von über 300.000 €. Also 30.000 für AStA-Vorsitz, dann noch mal ja knapp 300.000 € für die ganzen Referate. Wir finden, das ist viel zu viel. Und wenn man sich mal anschaut, wofür das Geld am Ende ausgegeben wird, ist das teilweise für Doppelstrukturen. Man könnte den gesamten AStA vom Kopf auf die Füße stellen und komplett neu strukturieren, sodass weniger Geld verschwendet wird und die Strukturen sehr viel effizienter arbeiten.

Lukas vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten

Semesterspiegel: Wenn wir schon beim AStA sind, wie seht ihr die Rolle des AStA in gesellschaftlichen Debatten?

Lukas: Wir als RCDS sehen den AStA viel mehr als Servicedienstleister der Studenten. Das ist die Hauptaufgabe. Darüber hinaus sollte sich der AStA, zumindest was allgemeinpolitische Themen angeht, die ja gar nichts mit der Uni zu tun haben, nicht äußern. Das ist nicht seine Aufgabe.

Semesterspiegel: Und was sind eurer Meinung nach die eigentlichen Aufgaben des AStA?

Lukas: Dass man beispielsweise Hilfsangebote schafft. Es gibt schon jetzt Beratungsangebote für Studenten, gerade auch Studierende mit Kind – auch für behinderte Studenten. Darüber hinaus wäre es auch schon sinnvoll, dass es ein Referat gibt, das auch mal studentische Veranstaltungen plant. 

Semesterspiegel: Bei eurer Social Media-Präsenz scheint es einige Mitglieder*innen zu geben, die ihren Schwerpunkt sehr auf Bier und Schnitzel legen. Inwiefern repräsentieren diese Aussagen eure Hochschulpolitik?

Lukas: Man muss grundsätzlich zwischen dem, was wir als Gruppe mit unseren Mitgliedern machen und unserer Hochschulpolitik trennen. Gerade das Schnitzel in der Mensa ist aber natürlich auch eine Aussage, der wir so zustimmen würden. Was das Essensangebot in der Mensa angeht, gibt es ja immer wieder Bestrebungen der anderen Gruppen, die fleischhaltigen Gerichte zu streichen. Wir sagen, es ist gut, dass die Studenten eine Auswahl haben – eine breite Auswahl an vegetarischen Gerichten, veganen Gerichten, aber eben auch an fleischhaltigen Gerichten. Am Ende soll das jeder selber entscheiden und wir wollen nicht, dass das den Studenten vorgeschrieben wird.

Semesterspiegel:  Welche Position nehmt ihr zum Thema Wohnraumsituation in Münster ein? Was kann eurer Meinung nach das StuPa dahingehend überhaupt bewegen?

Lukas: Ich fürchte tatsächlich, dass das StuPa da relativ wenig bewegen kann. Trotzdem ist es natürlich so, dass die Wohnraumsituation in Münster, genauso wie in allen anderen Unistädten, wirklich wirklich schlecht ist. Das sehen wir auch als RCDS. Es gibt gerade in den O-Wochen das Problem, dass Leute, die neu sind, noch keine Wohnung haben. Da sagen wir, dass es natürlich gut wäre, wenn wir temporären Wohnraum schaffen. Eine Idee wäre Wohnraum in Containern zu schaffen. Gerade um diese Situation in den O-Wochen zu entlasten. 

Semesterspiegel: Habt ihr über die Wohnraumsituation hinaus noch weitere Missstände feststellen können und passende Lösungsansätze?


Lukas: Was wir sehr kritisch sehen, ist immer noch, dass es an der Uni eine Zivilklausel gibt. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Die stammt aus einer Zeit, in der man dachte, alle Kriege und Konflikte wären vorbei. Dabei geht es nicht um Aufrüstung oder um Militarisierung, sondern es geht darum, dass wir unsere Werte, unsere Freiheit, unsere Demokratie, unser Land verteidigen. 

Semesterspiegel: Seht ihr in der geringen Wahlbeteiligung ein Problem und habt ihr Lösungsansätze?

Lukas: Es wäre unehrlich, wenn ich da jetzt Lösungen versprechen könnte, außer dass wir uns natürlich sehr aktiv im Wahlkampf engagieren, dass wir auf der Straße oder an der Uni präsent sind – da flyern gehen und plakatieren. Da würden wir uns tatsächlich Veränderung wünschen, gerade was die Plakatstände angeht – da wurden letztes Jahr, glaube ich, drei Viertel unserer Plakatstände irgendwie rausgestrichen. Man macht  einen Vorschlag an die Uni-Verwaltung – Wo dürfen wir flyern? Wenn natürlich die Uni-Verwaltung sagt, an drei viertel der Plätze dürft ihr das nicht, dann ist das hinderlich. Ich glaube, das Problem haben alle Listen und es wäre schön, wenn man das lösen kann.