Um sich musikalisch auf den folgenden Schwenk nach Südostasien einzustimmen, möchte ich empfehlen, das Lied „Ang Pasko Ay Sumapit“ im Hintergund laufen zu lassen. Das ist ein traditionell philippinisches Weihnachtslied, das übersetzt „Weihnachten ist da“ heißt. Vielleicht ist es dafür aber auch schon ein wenig zu spät. Auf den Philippinen ist die Weihnachtszeit nämlich schon seit Anfang September eingeläutet. Ganze vier Monate ist man dort in festlicher Stimmung und trennt sich erst am sechsten Januar von seiner Besinnlichkeit. Dementsprechend zählt auch das Neujahrsfest Media Noche zur Saison. Besagte Besinnlichkeit wird tatsächlich recht großgeschrieben. Es ist üblich, vom 16. bis zum 24. Dezember frühmorgendliche Messen zu besuchen. Wer das bis zur neunten Messe durchzieht, hat – so sagt man – einen ganz besonderen Wunsch frei.
Typische Symbole und Dekorationen, die die Häuser und Straßen der Philippiner*innen zur Weihnachtszeit schmücken, sind (Betlehems-)Sterne, sogenannte Parols, und die plastische Darstellung der Geburt Jesu, sogenannte Belens. Nicht selten finden stadtinterne Wettbewerbe statt, bei denen Familien um die schönste Krippenszene konkurrieren. Generell spielt die städtische Community zur Weihnachtszeit auf den Philippinen eine wichtige Rolle. Neben besagten Wettbewerben kommt man bei Lichtshows, Straßenfesten und Food-Sharing Events zusammen. Zudem ziehen, ähnlich wie bei uns, Kinder mit der Aussicht auf kleine Geschenke von Haustür zu Haustür und singen Weihnachtslieder. Nicht selten singen sie das, was ihr vielleicht gerade hört. Auch an der uns als „Wichteln“ bekannten Tradition erfreuen sich philippinische Schulkinder und Arbeitskolleg*innen und beschenken sich im Zuge von Monito-Monita.
Im Zentrum der Feierlichkeiten steht der 24. Dezember, Noche Buena. An diesem Tag kommen Familien zusammen und feiern mit Essen und Gesellschaftsspielen. Was das traditionelle Essen angeht, befindet man sich dort ebenfalls in recht fleischlastigem Terrain. Hauptmahlzeit bildet häufig ein glasierter Schinken oder ein ganzes Lechon, ein knuspriges Schwein. Vegetarische Alternativen dazu bilden zum Beispiel Filipino-Style Spaghetti, diverse tomatenbasierte Eintöpfe und Reisgerichte wie Bibingka. Natürlich wird man auch an der Nachtisch-Front nicht enttäuscht – das süße Ensaymada-Brot und traditionell philippinische heiße Schokolade werden am Weihnachtsmorgen häufig zusammen gegessen. Nach dem Essen erhalten dann hauptsächlich die kleinen Kinder und jeweiligen Patenkinder Geschenke, wobei sich viele Philippiner*innen auf monetäre Geschenke beschränken.
In der Hoffnung, euch in Weihnachtsstimmung versetzt zu haben, bleibt nur noch zu empfehlen, die ein oder andere Tradition dieses Jahr einmal selbst auszuprobieren.
