„Wenn der AStA sich nicht politisch für Studierende Belange äußert, wer macht es dann?“ – ein Interview Abrafi von der Juso- Hochschulgruppe 


Semesterspiegel
: Was sind die wichtigsten Punkte in eurem Wahlprogramm?

Abrafi: Ich glaube, was unser Wahlprogramm gut in einem Satz zusammenfasst, ist, dass wir uns für ein solidarisches und gerechtes Studium für alle einsetzen. Dafür steht die Juso-Hochschulgruppe. Dafür steht unser Wahlprogramm. Wenn man das nochmal untergliedert, steht es für Feminismus. Es steht für Antirassismus, Mobilität und  eine Haltung gegen Antisemitismus. 

Semesterspiegel: Was sind spezifische Maßnahmen für ein solidarisches und soziales Studium?

Abrafi: Wir sind der Meinung, dass die Mensapreise viel zu hoch sind. Wir finden, ein solidarischer Preis für eine vollwertige Mahlzeit, die satt macht, wären beispielsweise zwei Euro. Aber wir fordern auch ein BAföG, das für alle ist, das einfacher zugänglich ist und das auch zum Leben reicht – beispielsweise eine höhere Wohnkostenpauschale. Die Wohnkostenpauschale liegt bei 380 €. Wer kriegt denn jetzt noch ein WG Zimmer für 380 €? Deswegen begrüßen wir auch die Erhöhung, die zum Wintersemester kommt. Es ist gut, dass da jetzt was kommt und dass was passiert ist, aber das reicht nicht.

Semesterspiegel: Was seht ihr sonst noch für Missstände an der Uni?

Abrafi von der Juso-Hochschulgruppe

Abrafi: Ich glaube, dass es natürlich gut ist, dass wir jetzt schon Mitbestimmung in der Uni haben, aber das kann natürlich immer mehr sein. Was mir da so konkret einfällt, ist zum Beispiel der Hochschulrat. Der berät beispielsweise das Rektorat oder das Präsidium und überwacht die Geschäftsführung. Er wirkt bei der Wahl der Hochschulleitung mit und beschließt Wirtschafts- und Entwicklungspläne. In diesem Rat sitzen keine Studierenden und man wird vielleicht einmal im Semester dort eingeladen, um seine Meinung zu teilen. Der Hochschulrat ist ein Gremium, das wir als sehr undemokratisch wahrnehmen, da es einfach nicht transparent ist. 

Semesterspiegel: Wie schaut ihr auf das Hochschulstärkungsgesetz?

Abrafi: Da blicken wir mit einem lachenden Auge drauf, weil das nämlich das ist, was wir immer gefordert haben: eine Viertelparität im Senat. Deswegen sind wir sehr froh, dass es jetzt gekommen ist. Uns ist es zusätzlich wichtig, dass die Strukturen, die es an der Universität gibt, nicht missbraucht werden. Also dass sich die Menschen in ihrer Position bewusst sind, dass sie Macht haben, sei es bei Professor*innen oder O-Gruppenleiter*innen. Wofür wir auch sind und was wir auch im AStA eingeführt haben, sind Awareness-Konzepte, die das das nochmal bestärken sollen und auf den unteren Ebenen achtgeben sollen, also jetzt nicht auf Professoren-Ebenen, dass kein Machtmissbrauch geschieht. Und dass man sich, wenn mal etwas passiert,  auch an die entsprechenden Personen wenden kann.

Semesterspiegel: Wir haben eben darüber gesprochen, dass wenige Studierende überhaupt über Hochschulpolitik Bescheid wissen und dass der Prozess auch nicht transparent ist, wie wollt ihr das verbessern?

Abrafi: Studierende mit in die Arbeit einbeziehen und weitreichender informieren. Und was uns wichtig ist bei Sichtbarkeit, ist, dass wir einen lauten und politisch AStA haben. Wenn der AStA sich nicht politisch für Studierende Belange äußert, wer macht es dann? Es gibt ja auch Menschen, die sagen, dass der AStA rein verwaltend sein soll. Das sehen wir nicht so. Wir stehen schon für einen lauten und politischen AStA und hoffen dann auch durch Reels, die wir auf unserem Instagram-Account teilen, auf Sichtbarkeit. Wir finden es auch schade, dass der AStA gerade umgezogen ist. Wir sind jetzt nicht mehr im Herzen der Studierendenschaft. Deswegen versuchen wir schon, dass wir als AStA oder generell mit Hochschulpolitik zu den Studierenden kommen, indem wir uns auch mal abseits vom Wahlkampf zum Beispiel ins Juridikum stellen und ein bisschen von unserer Arbeit reden oder auch die Studierende fragen, wo der Schuh gerade drückt.

Semesterspiegel: Daran anschließend: Welche Rolle soll der Asta grundsätzlich in gesellschaftspolitischen Debatten spielen? 

Abrafi: Der hat Meinungen. Der AStA soll auch Meinungen haben und der AStA soll auch seine Meinung bekunden. Das heißt für uns, dass wir ja auch die Studierende vertreten, die uns gewählt haben und auch deren Perspektiven. Und wir möchten gerne als Institution diese Meinung auch bekunden. Sei es durch Pressemitteilungen, Instagram-Statements oder durch unsere Kampagnen. Wir planen jetzt eine Kampagne, die auf das Thema Einsamkeit im Studium aufmerksam macht. Das sind politische Statements, mit denen wir versuchen, Menschen zueinander zu bringen und dadurch vielleicht die Öffentlichkeit auf diese Themen aufmerksam zu machen.

Semesterspiegel: Erhofft ihr euch dadurch auch, dass die Wahlbeteiligung erhöht wird?

Abrafi: Wir hoffen es auf jeden Fall. Wir hoffen, dass die Studis vielleicht auch mehr mitbekommen, was eigentlich der AStA ist und wie dieser sich zusammensetzt. Aber leider kann man die Studis auch nicht zur Urne drängen und es ist auch ein gutes Recht, nicht wählen zu wollen. Aber wir freuen uns, wenn es bei dieser Wahl vielleicht  20 % Wahlbeteiligung gibt.