Ausgabe 398 – Das Gleiche in grün und keinen interessierts?

Liebe Leserinnen und Leser,

Endlich gehen die Leute auf die Straße und machen ihre Klappe auf. Endlich wehrt man sich gegen Entscheidungen, die über die Köpfe der Leute hinweg getroffen werden. Endlich sagt man den Zockern an der Börse: Nicht mit uns! Was 2009 mit den Bildungsprotesten seinen Anfang nahm, wurde mit Stuttgart 21 und der Occupy-Bewegung in New York fortgesetzt. Unter den Protestlern sind vor allem junge Menschen, Schüler und Studenten. Kann man den Leuten da vorwerfen, passiv zu sein?

Ja, man kann. Denn bequem ist es, einfach nur dagegen zu sein und in der Masse zu schreien – gegen Atomkraft, diese ungreifbare Finanzwelt und ein ungerechtes Bildungssystem. Bequem ist es, sich als Opfer der Gesellschaft zu sehen. Unbequem jedoch ist es, wenn zur produktiven Mitgestaltung aufgerufen wird, um etwas zu verbessern. Unbequem ist es, zur Urne zu gehen, sich aktiv zu informieren, welche Liste im StuPa welche Interessen vertritt. Unbequem, sich in Gremien und der Politik zu engagieren. Unbequem wird es, wenn man aus der Anonymität der lärmenden Massen hinaustritt und konsensfähige Lösungen für die drängenden Probleme diskutiert. Die vergangenen Wahlen an der Uni Münster haben genau dieses gezeigt. Die Wahlbeteiligung ist in diesem Jahr erfreulicherweise von 19,19 auf 19,5% gestiegen. Fakt ist jedoch trotzdem, dass nicht einmal jeder fünfte Student wählen ging. Zu viele Listen und Kandidaten machen es dem Wähler schwer sich zu entscheiden. Da wählen viele einfache Wege und einfache Lösungen: Banken enteignen, AKWs abschalten, mehr Geld in die Bildung – und die Welt ist eine bessere. Schade, dass dies eine Illusion bleiben wird. CampusGrün ist mit 29,5 Prozent der Wählerstimmen zur stärksten Liste im neuen Studierendenparlament an der Uni gewählt worden und wird damit die Entscheidungen der Verfassten Studierendenschaft maßgeblich mitprägen. Wir werden sehen, ob am Ende auch an Lösungen gearbeitet wurde oder man weiter die behagliche Gemütlichkeit des lautstarken Nörglers vorzieht.

Für die Redaktion

Andreas Brockmann

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