Alle Jahre wieder. Muss das so sein? Ein kritischer Kommentar zur Vorführung der Feuerzangenbowle im Unikino

Wenig Böses hat man im Kopf, wenn man in der ersten Dezemberwoche den Hörsaal des Unikinos neben dem Münsteraner Schloss betritt. „Die Feuerzangenbowle“ steht auf dem Programm: mittlerweile Kultfilm, historisches Dokument veralteter Erziehungs- und Umgangsformen in Nazi-Deutschland und gerade deshalb auch immer wieder: Wie soll man ihn zeigen? Welchen Wert spricht man ihm zu? Wie sollte mit dem Charme der stark überzeichneten Charaktere und ihren antiquiert-skurrilen Umgangsformen miteinander umgegangen werden?

In der Art und Weise, wie es das Unikino der Universität Münster seit mehreren Jahren handhabt jedenfalls nicht. Lustig, fröhlich, leicht konsumierbar, ja einfach Kulturindustrie im besten Sinne. So soll das Filmerlebnis im kollektiven Rausch zu erleben sein. Kritische Vorbemerkungen oder Raum zur gemeinsamen Reflexion über das Gesehene? Besser nicht, das würde die saturierte Wohlfühlatmosphäre dann doch zu sehr stören. Der Film, so schien es über weite Strecken, stand an diesem Abend sowieso eher im Hintergrund und diente als Stichwortgeber für die Kultivierung von Zweigeschlechtlichkeit und sexistischem Gegröle. Am Anfang mal bitte alle Männer wie Frauen und alle Frauen wie Männer singen. Ach wie lustig! Im weiteren Verlauf des Films dann bitte pfeifen, wenn eine Frau durchs Bild läuft und die Geräuschkulisse durch den grölenden Aufruf einer tiefen Männerstimme:  „Prost, ihr Säcke!“ und der Antwort des Publikums „Prost, du Sack“ in regelmäßigen Abständen übertönen. Das enthüllende Ende des Reims „Auf die Weiber, zack, zack, zack“ wurde da glücklicherweise unterdrückt…

Für all jene, die die kollektive Bestätigung der eigenen Identität als typischer Mann oder typische Frau gerne annehmen, die in den machtvollen Zuschreibungen heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit lachend aufgehen können, mag das lustig sein. Am Ende geht man doch mehr als stutzig zurück in die Kälte und fragt sich: Warum? Warum empfinden Menschen an der permanenten Reinszenierung von Zweigeschlechtlichkeit und den zugehörigen kulturellen Zuschreibungen eine derart affektiv aufgeladene Faszination? Warum lachen Menschen achtzig Jahre später über die gleichen Witze in den vergeschlechtlichten Begegnungs- und Umgangsformen, wie sie in dem Film zum Tragen kommen? Und vor allem: muss das alles so sein?

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