Vegan Cheat Day

Ich ernähre mich anders als die meisten Menschen in meiner Umgebung. Mein Ernährungskonzept heißt „weekday vegan“. Auf gutdeutsch: „werktagsvegan“. Ich esse unter der Woche komplett vegan und darf an einem Tag pro Woche Käse, Butter und Schoki naschen.*

*In diesem Artikel spreche ich von Veganismus. Es ist auch möglich, sich in Gedanken bei jedem ‚Käse‘ ‚Fleisch‘ einzusetzen und bei jedem ‚vegan‘ ‚vegetarisch‘. Das Prinzip bleibt gleich, es ließe sich dann werktagsvegetarisch” sagen.

Veganer Salat

Vegan zu leben hat einige Vorteile: Es gilt als gesund, nachhaltig und ethisch korrekt. Auf der anderen Seite gilt vegane Ernährung aber auch als aufwändig und ein Stück Käse oder ein Steak finden viele ziemlich lecker. 

Wann ist schon der richtige Zeitpunkt für den letzten Burger… für immer? Bei dieser Frage wird allerdings ein Scheinproblem angesprochen. Wie man sich ernährt ist zur Zeit eine binäre Frage: Entweder man isst Fleisch oder nicht. Entweder man ernährt sich vegan – oder eben nicht. Das muss aber gar nicht so sein. Es ist ja durchaus möglich, nur ganz selten ein Stück Fleisch zu essen, ganz ohne sich labeln zu müssen. Abgesehen davon lässt sich sonst einfach zurück greifen auf eines der vielen Alternativangebote, die es heute zu Fleisch gibt.

Veganer Burger

Es gibt natürlich Leute, die sich einfach in ihrem Konsum einschränken, sogenannte ‚Flexitarier‘. Wieso nicht flexitarisch leben? Und wieso nicht auch gleich ‚flegan‘? Nun ja, so einfach scheint es nicht zu sein. Für mich ist Willensstärke wie ein Muskel. Niemand bricht seine Diät beim Frühstück. In der Regel brechen Menschen ihre Diäten abends, wenn ihre Willensstärke erschöpft ist. Denn die “Das-schaffe-ich-Seite” wird über den Tag immer leiser und der innere Schweinehund immer lauter.

Wer sich feste Regeln setzt, kann dieses Problem umgehen. Routinen werden im Gehirn nicht immer wieder neu hinterfragt. Sie laufen automatisch ab. Anstatt also bei jeder Essens-Entscheidung darüber zu grübeln, wie die vegan-lecker Bilanz in diesem speziellen Fall ausfällt, heißt es  in der Woche einfach konsequent „Nein!“. Es gibt auch ein Diät-Konzept, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert: Der „cheat day“. Dabei wird über die Woche sehr gesund gegessen und einen Tag lang darf so richtig reingehauen werden. Ein nicht veganer Tag könnte also als “Vegan Cheat Day” bezeichnet werden.

Ein Vegan Cheat Day kann davon abhalten, in eine Abwärtsspirale aus Ausnahmen zu geraten. Bei mir läuft diese normalerweise so ab: Ich nehme mir vor, nichts unveganes zu essen, dann fange ich an, mehr und mehr Ausnahmen zu machen: Erst trinke ich nur ein bisschen Milch im Kaffee, dann bestelle ich Cocktailsoße auf mein Falafel-Sandwich und zuletzt darf ich mir betrunken bei Burger King Pommes bestellen und überlege doch einen Burger zu nehmen. Ist ja nur eine Ausnahme. Die Ausnahmen häufen sich dann schnell und das war´s auch schon wieder mit gesund, nachhaltig und ethisch korrekt. Ich setze mir lieber gleich klare Regeln, die ich dann auch halte. So muss ich das nicht jedes Mal neu entscheiden und halte einfacher durch.

Abgesehen von der Verantwortung unserer Umwelt gegenüber ist veganes Essen offenbar sehr gesund: Neben den umstrittenen Studien, die das belegen, müssen Veganer in vielen Fällen auf Fertigprodukte und Süßigkeiten verzichten, weil diese meistens Milch oder Eier enthalten. Also essen Veganer weniger Zucker, ungesättigte Fettsäuren und Geschmacks- und Konservierungsstoffe.

Ethisch, im Hinblick auf die Massentierhaltung, ist vegane Ernährung natürlich super. Käse, Eier und Milch zu konsumieren unterstützt in den meisten Fällen das massenhafte Halten von Tieren unter extremst schlechten Bedingungen. Wer das vermeiden will, muss auf diese Produkte verzichten oder steigt auf teure Alternativen um, wie zum Beispiel Demeter Käse.

Mir fällt es leichter mein Bedürfnis, zum Beispiel nach einem Schokoriegel, um maximal sechs Tage zu verschieben, als mir diesen Schokoriegel für immer zu verbieten.

Außerdem muss man anderen Leuten (zum Beispiel der Oma an Weihnachten) nicht mit den Essgewohnheiten extra viele Umstände machen. Ich kann meinen “Vegan Cheat Day” auf den Einladungs-Tag legen und alle sind glücklich.

Zu guter Letzt finde ich, gibt es einfach keinen guten Moment für den letzten Burger des Lebens. Wenn aber in einer Woche wieder Burger erlaubt ist, ist das ganze kein so großes Problem mehr. Dann lässt sich auch jetzt anfangen. Also los!

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